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Cafehäuslers Gedichte-Sammlung, 1. Buch



- Moderator schrieb am 08.02.2005: -

Auf Wunsch können interessierte Cafebesucher an dieser Stelle gemeinsam mit Gleichgesinnten ihre eigenen Gedichte in loser Reihenfolge entwickeln und niederschreiben; vielleicht fällt das auf diese Art und Weise weniger schwer als - exponierter - unter der Rubrik „Ihr Text“.

Auch Ihre Lieblingsgedichte fremder Autoren können Sie in diesem Zusammenhang der stetig wachsenden Cafe-Anhängerschar vorstellen, wobei – wir wollen den Hinweis nicht versäumen – hierzu die Möglichkeit auch unter der Rubrik „Ihre Favoriten“ besteht.

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- Günter Kirstein schrieb am 15.02.2005: -

SEKUNDEN

Zwar vergangen, noch ehe recht angefangen
Doch nur durch sie ist die Ewigkeit zu erlangen
Nicht zu kurz, um alles zu beenden
Lang genug, um alles zu wenden
Meist längst zerronnen,
Bevor wir uns besonnen.






- uggla schrieb am 16.02.2005: -

Gottfried Keller

DIE ZEIT GEHT NICHT

Die Zeit geht nicht,sie stehet still,
Wir ziehen durch sie hin;
Sie ist eine Karawanserei,
Wir sind die Pilger drin.

Ein Etwas, form- und farbenlos,
Das nur Gestalt gewinnt,
Wo ihr drin auf und nieder taucht,
Bis wider ihr zerrinnt.


Es blitzt ein Tropfen Morgentau
Im Strahl des Sonnenlichts;
Ein Tag kann eine Perle sein
Und ein Jahrhundert nichts.

Es ist ein weisses Pergament
Die Zeit, und jeder schreibt
Mit seinem roten Blut darauf,
Bis ihn der Strom vertreibt.

An dich, du wunderbare Welt,
Du Schönheit ohne End',
Auch ich schreib meinen Liebesbrief
Auf dieses Pergament.

Froh bin ich, dass ich aufgeblüht
In deinem runden Kranz;
Zum Dank trüb ich die Quelle nicht
Und lobe deinen Glanz.








- Günter Kirstein schrieb am 18.02.2005: -

TAGE

Wie lang der Tag, der uns geschenkt
Von uns bestimmt, von Gott gelenkt
Zur Gabe wird er durch das Tun
Ob wir dienen oder ruh`n.

Jeder Tag, der uns gespendet
Ob genutzt oder verschwendet
Jeden dürfen wir nur einemal leben
Wir wissen nicht, wie viele uns gegeben.






- Ulla Bach schrieb am 20.02.2005: -

Lebenskreis

Früh morgens wache ich auf,
mit frühstücken beginnt der Tagesablauf.
Betten machen, Tiere füttern und saugen,
Treppe rauf, Treppe runter, Zimmer rein- und rauslaufen.

Geschirr spülen, schwitzen und kochen,
auch ist das Papier für die Akte zu lochen.
Kinder schreien nach der Mama,
und wer ist für mich da?

Mein Mann kommt abends heim
und schaut in den Kochtopf rein.
Mein Liebes, was gibt es heute?
Ich rufe zusammen die Meute.

Immer das Gleiche, tagein, tagaus -
ich will mal hier raus!
Wie schnell bin ich alt,
und meine Hände werden kalt.






- Ulla Bach schrieb am 20.02.2005: -

Das Fenster


Das Fenster zu öffnen mit Leib und Seele,
ist nicht leicht – zugegeben.
Hinter dem Horizont die große Weite.
Wer braucht sie schon?
Ich fliege davon.

Ich fliege durch das Fenster.
Meine Gedanken sind so neblig wie Gespenster.
Ich habe Angst.
Wer kann so fliegen?
Möchte mich an Mutters Brust wiegen.

Fenster schließen mit aller Kraft,
fühlen, schmecken, lachen, weinen – all dies zusammengerafft.
In den Zeilen ist alles leicht.
Leben eingehaucht mit Zärtlichkeit und Sinn,
welch herrlicher Beginn!

Fenster auf, Fenster zu.
Keine Ruh’.
Ich möchte schreiben, malen können.
Im Innern zerrissen und außen heiter;
Wir machen weiter!





- Ulla Bach schrieb am 20.02.2005: -

Ärger


Welch ein Ärger hier und da,
ohne wäre es wunderbar.
Und im gleichen Atemzug:
hätten wir doch nichts zu tun.

Ärger macht uns nur älter,
die Stimmung eskaliert und wird kälter.
Wie schön ist Frohsinn und Heiterkeit,
da ist auch das Wohlbefinden nicht weit.

Doch der Mensch ist selbst verantwortlich,
wenn es ihm nicht gut geht ordentlich.
Was soll das Grübeln und Gezeter:
so kommt er nicht weiter, Meter um Meter.






- Ulla Bach schrieb am 20.02.2005: -

Gemeinsam einsam


Einsamkeit ist ein tiefes Loch,
es gräbt dich weiter und weiter nach unten.
Der Graben ist tief und schmerzt,
du fühlst es in deiner Brust.

Jeder/n Herzschlag hörst du,
ansonsten nichts.
Das Radio, der Fernseher?
Sie geben keine Antwort.

Auch zu zweit oder auf dem Bahnsteig,
allein bist du immer.
Selbst viele Menschen um dich,
du spürst keine Lust zu reden.

Einsamkeit tut gut?
Lass’ es auf dich wirken.
Danach fühlst du dich befreit,
wenn du sie akzeptierst.

Damit umzugehen, kannst du lernen,
doch leicht ist es nicht.
Tief drinnen in der Brust,
der Mensch kann was erleben!








- Ulla Bach schrieb am 20.02.2005: -

Stille


In der Ruhe liegt die Stille,
Stille in mir drin;
das Bedürfnis ist der Wille,
wo geht’s denn hin?

Einst Bestreben, dann und wann,
im Mensch pulsiert die Zeit.
Zunächst Euphorie, aber dann!
Die Natur ist nicht weit.

Der Adler fliegt seine Runden,
die Uhr tickt, die Zeit zieht vorbei.
Ich genieße meine Stunden.
Hektik ist mir einerlei.






- Ulla Bach schrieb am 20.02.2005: -

Wie ein Sprung ins kalte Wasser


Wie ein Sprung ins kalte Wasser –
ich fühle mich am Beckenrand stehn;
hurtig, hurtig, ein Schritt weiter,
wo ist das Problem?

Tapfer bin ich, voller Elan.
Auch Befürchtungen melden sich.
Das kalte Wasser rührt mich nicht.
Weiter, weiter, ich berühre dich.

Warmes Wasser, oh, das ist schön.
Schwimmen an der Oberfläche.
In der Geschichte werde ich mich wieder sehn,
ich fürchte keine dunklen Nächte.

So steht es geschrieben Blatt für Blatt,
was aus meinem Leben ist geworden.
Sag es doch mit einem Satz,
sag es, sag es, der Beckenrand hat mich umworben.







- uggla schrieb am 20.02.2005: -

BETRACHTUNG DER ZEIT

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius





ÜBERLASS ES DER ZEIT

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlass es der Zeit.

Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du's überwunden;
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Theodor Fontane




NIEMALS GEHT MAN SO GANZ

Wenn man Abschied nimmt,
geht nach unbestimmt
mit dem Wind die Blätter weh?n.

Singt man das Abschiedslied,
das sich um Fernweh dreht,
um Horizonte, Salz und Teer.

Wer seinen Beutel schnürt,
sucht wo er hingehört,
hat wie ein Zugvogel nicht nur ein Zuhause.

Man läßt vieles hier,
Freund ich danke dir
für den Kuß, den letzten Gruß.

Ich will weitergeh?n,
keine Tränen seh?n.
So ein Abschied ist lange noch kein Tod!

Niemals geht man so ganz.
Irgendwas von mir bleibt hier.
Es hat seinen Platz immer bei dir.

Wenn es auch noch so sticht,
stutz die Flügel nicht,
dem, der in der Kälte keine Zukunft sieht.

Mach einem Vagabunden
doch das Herz nicht wund.
Flieg ein Stück mit auf seinem Weg.

Doch dann laß mich los.
Sieh, die Welt ist groß!
Ohne Freiheit bin ich fast schon wie tot!

Niemals geht man so ganz.
Irgendwas von mir bleibt hier.
Es hat seinen Platz immer bei dir.

Ich verspreche dir:
Bin zurück bei dir,
wenn der Wind von Süden weht.

Ich sage nicht Leb wohl!
das Wort, das klingt wie Hohn!
Völlig hohl. Mach's gut!

Sieh, ich weine auch.
Tränen sind wie Rauch.
Sie vergeh?n. Dieser Käfig macht mich tot!

Niemals geht man so ganz.
Irgendwas von mir bleibt hier.
Es hat seinen Platz immer bei dir.

Nie verläßt man sich ganz.
Irgendwas von dir geht mit.
Es hat seinen Platz immer bei mir.

Trude Herr und Tommy Engel












- uggla schrieb am 23.02.2005: -

DER PURZELBAUM

Ein Purzelbaum trat vor mich hin
und sagt: »Du nur siehst mich
und weißt, was für ein Baum ich bin:
Ich schieße nicht, man schießt mich.

Und trag ich Frucht? Ich glaube kaum;
auch bin ich nicht verwurzelt.
Ich bin nur noch ein Purzeltraum,
sobald ich hingepurzelt.«

»Je nun«, so sprach ich, »bester Schatz,
du bist doch klug und siehst uns; -
nun, auch für uns besteht der Satz:
wir schießen nicht, es schießt uns.

Auch Wurzeln treibt man nicht so bald,
und Früchte nun erst recht nicht.
Geh heim in deinen Purzelwald,
und lästre dein Geschlecht nicht.«

Morgenstern




JEDEM DAS SEINE

Aninka tanzte
Vor uns im Grase
Die raschen Weisen.
Wie schön war sie!

Mit den gesenkten,
Bescheidnen Augen
Das stille Mädchen -
Mich macht' es toll!

Da sprang ein Knöpfchen
Ihr von der Jacke,
Ein goldnes Knöpfchen,
Ich fing es auf -

Und dachte Wunder
Was mir's bedeute,
Doch hämisch lächelt'
Jegór dazu,
Als wollt er sagen:
Mein ist das Jäckchen,
Und was es decket,
Mein ist das Mädchen,
Und dein - der Knopf!

Mörike



LOGOS

Das Wort ist mein Schwert
und das Wort beschwert mich

Das Wort ist mein Schild
und das Wort schilt mich

Das Wort ist fest
und das Wort ist lose

Das Wort ist mein Fest
und das Wort ist mein Los

Erich Fried





- uggla schrieb am 27.02.2005: -

DER UNENDLICHE TANGO DER DEUTSCHEN RECHTSCHREIBUNG

Hab ein altes Heft gefunden
Mit krak'liger Kinderschrift.
Abgewetzt, vergilbt, geschunden -
und ein böser, roter Stift
metzelt in den Höhenflügen
meiner armen Niederschrift
mit sadistischem Vergnügen
und verspritzt sein Schlangengift.

Und ich spüre, jeder rote
Strich am Rand trifft wie ein Pfeil.
Die Zensur ist keine Note,
die Zensur ist wie ein Beil.
Ich spür's, als ob's heute wäre
und ich blick zurück im Zorn,
Sträfling auf einer Galeere
und der Einpeitscher steht vorn:

»Nach L N R, das merke ja,
steh'n nie T Z und nie C K!
Bildest die Mehrzahl du vom Wort,
dann hörst die Endung du sofort!
Nimm die Regel mit ins Bett:
nach Doppellaut kommt nie T Z!
Und merke: Trenne nie S T,
denn es tut den beiden weh!?

Ich war kein schlechter Erzähler,
aber es war wie verhext:
Wo ich schrieb, da waren Fehler
und wo nicht, hab' ich gekleckst.
Nachhilfe und guter Wille
blieben fruchtlos, ist doch klar,
weil ich meist wegen Sybille
gar nicht bei der Sache war.

Wenn ich Schularbeiten machte,
dacht ich immer nur an sie .
Immer, wenn ich an sie dachte,
Litt meine Orthographie...
Und so hab ich mit ihr eben
lieber probiert, als studiert.
Mich interessiert das Leben
und nicht, wie man's buchstabiert!

»Nach L N R, das merke ja,
steh'n nie T Z und nie C K!
Bildest die Mehrzahl du vom Wort,
dann hörst die Endung du sofort!
Nimm die Regel mit ins Bett:
nach Doppellaut kommt nie T Z!
Und merke: Trenne nie S T,
denn es tut den beiden weh!«

Kreide kreischt über die Tafel,
mir sträubt sich das Nackenhaar.
»Setzen, Schluß mit dem Geschwafel!«
Es ist wieder wie es war.
Und da sitze ich und leide
geduckt an dem kleinen Tisch,
rieche Bohnerwachs und Kreide,
Welch ein teuflisches Gemisch!
Und dann kommt meine Abreibung!
Und ich werde Anarchist,
der begreift, daß die Rechtschreibung
die Wissenschaft der Esel ist.

Ein Freigeist, ein großer Denker,
Ein Erfinder, ein Poet,
Ein zukünft'ger Weltenlenker
beugt sich nicht dem Alphabet!

»Nach L N R, das merke ja,
steh'n nie T Z und nie C K!
Bildest die Mehrzahl du vom Wort,
dann hörst die Endung du sofort!
Nimm die Regel mit ins Bett:
nach Doppellaut kommt nie T Z!
Und merke: Trenne nie S T,
denn es tut den beiden weh!«

Ich schreib heute noch wie Django!
Schreib ohne Bevormundung.
Trotze dem endlosen Tango
der deutschen Rechtschreibung.
Ich hab nur Glück, daß ich heut singe,
Und somit ungelesen bleib:
Ihr wißt von mir 1.000 Dinge
aber nicht, wie ich sie schreib?!

»Nach L N R, das merke ja,
steh'n nie T Z und nie C K!
Bildest die Mehrzahl du vom Wort,
dann hörst die Endung du sofort!
Nimm die Regel mit ins Bett:
nach Doppellaut kommt nie T Z!
Und merke: Trenne nie S T,
denn es tut den beiden weh!«

(Reinhard Mey)






- uggla schrieb am 14.03.2005: -

ABSCHIED

Unangeklopft ein Herr tritt abends bei mir ein:
"Ich habe die Ehr, Ihr Rezensent zu sein."
Sofort nimmt er das Licht in die Hand,
besieht lang meinen Schatten an der Wand,
rückt nah und fern: "Nun, lieber junger Mann,
sehn Sie doch gefälligst mal Ihre Nas so von der Seite an!
Sie geben zu, dass das ein Auswuchs is."

- Das? Alle Wetter - gewiss!
Ei Hasen! ich dachte nicht,
all mein Lebtage nicht,
daß ich so eine Weltsnase führt' im Gesicht!!

Der Mann sprach noch verschiednes hin und her,
ich weiß, auf meine Ehre, nicht mehr;
meinte vielleicht, ich sollt ihm beichten.
Zuletzt stand er auf; ich tat ihm leuchten.

Wie wir nun an der Treppe sind,
Da geh ich ihm, ganz froh gesinnt,
Einen kleinen Tritt,
Nur so von hinten aufs Gesäße, mit -

Alle Hagel! ward das ein Gerumpel,
Ein Gepurzel, ein Gehumpel!
Dergleichen hab ich nie gesehn,
All mein Lebtage nicht gesehn
Einen Menschen so rasch die Trepp hinabgehn!

Mörike










- uggla schrieb am 21.03.2005: -

WELTTAG DER POESIE 21. März 2005


KRIEGSLIED

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

Claudius






DER TAMBOUR

Wenn meine Mutter hexen könnt
Da müßt sie mit dem Regiment,
Nach Frankreich, überall mit hin,
Und wär die Marketenderin.
Im Lager, wohl um Mitternacht,
Wenn niemand auf ist als die Wacht,
Und alles schnarchet, Roß und Mann,
Vor meiner Trommel säß ich dann:
Die Trommel müßt eine Schüssel sein,
Ein warmes Sauerkraut darein,
Die Schlegel Messer und Gabel,
Eine lange Wurst mein Sabel,
Mein Tschako wär ein Humpen gut,
Den füll ich mit Burgunderblut.
Und weil es mir an Lichte fehlt,
Da scheint der Mond in mein Gezelt;
Scheint er auch auf franzö'sch herein,
Mir fällt doch meine Liebste ein:
Ach weh! Jetzt hat der Spaß ein End!
Wenn nur meine Mutter hexen könnt!

Mörike



FRÜHLING LÄSST SEIN BLAUES BAND

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Mörike



AUF EIN EI GESCHRIEBEN

Ostern ist zwar schon vorbei,
Also dies kein Osterei;
Doch wer sagt, es sei kein Segen,
Wenn im Mai die Hasen legen?
Aus der Pfanne, aus dem Schmalz
Schmeckt ein Eilein jedenfalls,
Und kurzum, mich tät's gaudieren,
Dir dies Ei zu präsentieren,
Und zugleich tät es mich kitzeln,
Dir ein Rätsel drauf zu kritzeln.

Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat's der Has gebracht.

Mörike




MÄRZVEILCHEN

Der Himmel wölbt sich rein und blau,
Der Reif stellt Blumen aus zur Schau.
Am Fenster prangt ein flimmernder Flor,
Ein Jüngling steht, ihn betrachtend, davor,
Und hinter den Blumen blühet noch gar
Ein blaues, ein lächelndes Augenpaar,
Märzveilchen, wie jener noch keine gesehn.
Der Reif wird, angehaucht, zergehn.
Eisblumen fangen zu schmelzen an,
Und Gott sei gnädig dem jungen Mann.

Hans Christian Andersen



(Das 1. Buch der Gedichtesammlung endet mit den letzten Gedichten von uggla; ab sofort ist der Zugang für weitere Texte gesperrt. Doch es gibt eine Fortsetzung: das 2. Buch. Das Paßwort dafür gibt´s auf Anfrage vom Moderator.)




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